Biographie

Das ficht sie an

Fechten ist untrennbar mit Disziplin, mit Kampfgeist und mit Fairness verbunden. Imke Duplitzer möchte das bewahren – im Profisport und auf der politischen Bühne.

Wer verstehen will, was Imke Duplitzer antreibt, sollte Mantel- und Degen-Filme anschauen. Die Eleganz der Fechter, wie sie mit dem Degen in der Hand über Tische und Bänke springen, den “bösen” Gegner fest im Auge an die Wand und zur Aufgabe drängen. Fast kann man sagen, Duplitzer hat dieses Bild in ihr reales Leben übernommen: Sie ficht wie eine Vize-Weltmeisterin, zweifache Europa- und eine siebenfache Deutschlandmeisterin. Sie hat Disziplin gelernt, Kampfgeist, Respekt vor dem Gegner und Fairness. Und sie vertritt unbeirrt ihre Werte im Sport.

Imke Duplitzer liebt ihren Sport – und hasst, was die Funktionäre daraus gemacht haben: Die zunehmende mediale Inszenierung, stetige Kommerzialisierung und die Bestechungsskandale sind für sie eine Belastung. “Es geht häufig nicht mehr um die reine Leistung, sondern um Kompatibilität mit einem Geschäftsmodell”, sagt sie. Vom Zwang zum schönen Schein seien vor allem Frauen im Leistungssport betroffen. Sie müssen sexistische Stereotype bedienen, die sie eigentlich gar nicht bedienen können. 

“Viele Sportler haben Angst”

Kritik am der Organisation des Profisports ist selten. Nur wenige Athleten machen den Mund auf. Wer Duplitzer sieht, weiß: Man braucht ein breites Kreuz, wenn man Dinge sagt wie sie. „Viele Sportler haben Angst davor.“ Duplitzer macht den Mund auf – gegen Sexualisierung, gegen Homophobie und für Menschenrechte. Nicht ohne Folgen: anders als die Sportlerinnen ihrer alten Mannschaften hat sie keine Karriere beim Internationalen Olympischen Komitee oder beim Deutschen Olympischen Sportbund gemacht.

Imke Duplitzer will sich nicht verbiegen, auch nicht für Geld. „Wer soll mich sponsern? Amnesty International vielleicht?“, sagt sie lakonisch. Sie träumt davon, dass irgendwann wieder die Arbeit der Athleten im Vordergrund steht, dass Olympia zu seiner ursprünglichen Idee zurückfindet.

Duplitzer will gestalten – im Fechtsport ebenso wie in der Politik

Sie mag eine Querdenkerin sein, aber eine mit Grundsätzen und Verantwortungsgefühl. Im letzten Herbst ist sie zum TSG Halle-Neustadt gewechselt. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit dort wird die Nachwuchsförderung sein. Und sie will noch mehr bewegen. Sie will, dass der Sport Menschen, Kulturen und Ansichten miteinander verbindet. “Dann muss er auch die Verantwortung übernehmen, dass Menschenleben geachtet und Umweltressourcen geschont werden.” Für die Grünen will sie deshalb im Mai ins europäische Parlament einziehen.

 

 

 

Name: Imke Duplitzer

Geburts-Datum: 28.07.1975

Verein: TSG Halle-Neustadt

Waffe: Degen

Beruf: Soldatin / PADI Instructor / Publizistin

Erfolge:

  • 2010: Europameisterin
  • 2010/2007/2006/2004/2002/2001/2000/1999: Deutsche Meisterin
  • 2004/2000/1996: Teilnehmerin an den Olympischen Spielen
  • 2004: Silber Mannschaft Athen
  • 2002: Vizeweltmeisterin Einzel
  • 1999: Europameisterin
  • 1999/1997: Militärweltmeisterin
  • Mehrfache Medaillengewinnerin mit der Mannschaft bei Welt- und Europameisterschaften

Ein Gedanke

Wer besitzt die ganze regnerische, steinige Erde?
Der Tod.

Wer besitzt Zeit und Raum?
Der Tod.

Wer ist stärker als die Hoffnung?
Der Tod.

Wer ist stärker als der Wille?
Der Tod.

Stärker als die Liebe
Der Tod.

Stärker als das Leben?
Der Tod.

Aber wer ist stärker als der Tod?
Ich offensichtlich – denn ich bin noch hier!

Frei nach Ted Huges